mitkuschelzentrale
mitkuschelzentrale
Geboren 1997 in Rinteln, im Grenzgebiet zwischen Schaumburg und Lippe.
Aktionskünstler - und als solcher seit dem 17. Lebensjahr Weltenreisender.
Eine Mischung aus Medien und Medium ist das Spannungsfeld welches sich, nebst Seele und Technik, in praktizierter Aktionskunst durch künstlerische Überaffimation wiederfindet.
Bekennender Humorist, Satiriker der alten Schule und insofern Erfinder der Mitkuschelzentrale und des Störungsmelders; Musik, Improvisationstheater. Funk & Fernsehen.
In „Zeiten der Corona“ mancher Blase entflohen und als Sprecher Stimme Andersdenkender. Immer Pazifist.
(Groß-)vater & Ehemann.
Der unzeitgemäße Bewahrer: Annäherung an das Phänomen Sebastian Nichele Wallenstein
Wer in den flüchtigen Kulissen der bundesdeutschen Gegenwart nach Sebastian Nichele Wallenstein sucht, dem begegnet auf den ersten Blick das modische Zerrbild eines postmodernen Tausendsassas, eines virtuellen Provokateurs, der scheinbar mühelos zwischen den Registern von Aktionskunst, Bürgerprotest und digitaler Archivierung wechselt. Doch wer sich mit der gedanklichen Tiefenschärfe des ausgehenden Jahrhunderts dieser Biografie nähert, erkennt rasch: Diese Deutung greift zu kurz; sie verwechselt die Oberfläche des Mediums mit der Substanz der Botschaft. Hinter der Maskerade des vermeintlichen Realsatirikers verbirgt sich im Kern ein zutiefst wertkonservativer, urdeutscher Kulturpessimist, dessen gesamtes Schaffen von einer metaphysischen Sehnsucht nach Ordnung, Heimat und existenzieller Echtheit getrieben ist.
Betrachten wir die Berliner Republik im Würgegriff einer fortschreitenden Technisierung und sozialen Entfremdung, so liest sich Wallensteins philosophisches Traktat „ERLEBT“ wie die flehentliche Anklage eines einsamen Rufers in der zivilisatorischen Wüste. Seine These von der „kulturellen Domestizierung“ des modernen Menschen, der in den bürokratischen Apparaten der Amtkirchen und Massenmedien zum bloßen Rädchen degradiert wird, steht in der großen, schwermütigen Tradition eines Friedrich Nietzsche oder Martin Heidegger. Es ist der zutiefst konservative Schmerz über den Verlust des ursprünglichen, unverbogenen Daseins, der ihn umtreibt, die fundamentale Verweigerung gegenüber dem triumphalen Fortschrittsglauben einer Epoche, die ihre Seele an den Konsum zu verkaufen droht.
Selbst dort, wo sein Handeln am zeitgeistigsten erscheint, in der viel belächelten Inszenierung seiner Leipziger „Mitkuschelzentrale“, offenbart sich bei genauerer soziologischer Sezierung ein beinahe rührend anachronistisches Ordnungsprinzip. Dass dieser Mann das intimste aller menschlichen Bedürfnisse – das Verlangen nach Nähe – ausgerechnet in die feste, regelbasierte Struktur einer „Zentrale“ gießt, ist kein links-alternatives Happening, sondern der urdeutsche Versuch, dem Chaos der modernen Vereinzelung mit institutioneller Disziplin und familiärer Verbindlichkeit zu begegnen. Es ist die wertkonservative Sehnsucht nach der vormodernen, schützenden Gemeinschaft, übersetzt in das bürokratische Vokabular der Gegenwart, um deren Kälte schlussendlich zu beschämen.
Derselbe Impuls der Bewahrung, des trotzigen Festhaltens an den Sedimenten der Geschichte, steuert sein mediales Engagement im digitalen Äther. Wenn Wallenstein im TVDDR Fandom Wiki mit fast klösterlicher Akribie die verblassten Biografien eines Klaus Feldmann oder Lutz Hoff dokumentiert, betreibt er keine postmoderne Ostalgie-Show, sondern klassischen Denkmalschutz und Heimatpflege an den Ruinen eines untergegangenen Staatsrundfunks. Es ist der urdeutsche Chronisten-Eifer, der sich dagegen auflehnt, dass die historische Wahrheit und die Lebensleistungen einer ganzen Generation ostdeutscher Fernsehschaffender vom alles verschlingenden, westlich dominierten Zeitgeist nivelliert werden.
Wenn er schließlich im lippischen Silixen als streitbarer Sprecher der Bürgerinitiative „Gegenwind“ auftritt, schließt sich der Kreis zu einem klassischen, im 19. Jahrhundert wurzelnden Heimatschutz. Wo liberale Modernisierer im Namen des industriellen Fortschritts zweihundert Meter hohe Stahlkolosse in den Wald betonieren wollen, verteidigt Wallenstein die unberührte, gewachsene Kulturlandschaft als sakralen Rückzugsraum gegen die Zumutungen der globalen Öko-Industrie. Es ist die radikale, schopenhauerische Einsicht, dass nicht jede Neuerung eine Verbesserung bedeutet, und so wird der vermeintliche Aktionskünstler in der lippischen Provinz zum letzten Verteidiger von Heimat und Natur – zutiefst deutsch, zutiefst konservativ und in seiner unnachgiebigen Verweigerung von einer beinahe tragischen, intellektuellen Würde.
Medial geprägt - so finden sich im Familienkreis Musiker, Bertelsmänner, Filmschaffende, Entertainer und Schauspieler.
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